Abschiebung einer verschleppten Frau

Über facebook wurde am Mittwoch bekannt, dass schon wieder drei Personen von Abschiebung bedroht sind. Zu lesen war, dass es sich bei einer der Personen um eine Frau handelt, die von Menschenhändlern nach Österreich verschleppt wurde.

Dass es so etwas gibt, weiß jedes Kind auf der Straße. Dass solche Menschen gezwungen werden sich in einem Milieu zu bewegen, wo die Frage der Freiwilligkeit keinen hohen Stellenwert hat, ist klar. Dass diese entsprechend versteckt leben, sich kaum in die Gesellschaft vernetzen können und ihren Schleppern damit völlig ausgeliefert sind, muss kaum erwähnt werden.

Nun hat sich endlich eine davon getraut sich aufzulehnen. Hat gedacht in einem Rechtsstaat zu leben. Hat wohl damit gerechnet, dass in Österreich Menschenrechte gelten. Leider gelten die aber nur für uns, für Weiße, für Europäer, für Menschen mit Geld und Pass. Für solche, die im System sind und sich an die Spielregeln halten. Auch für Menschenhändler übrigens. Nicht für verschleppte Frauen, die illegal eingereist wurden.

Die Frau wurde Donnerstag Früh abgeschoben.

Abgesehen davon, dass die sich kontinuierlich verschärfende Abschiebepraxis der österreichischen Behörden und der Umgang mit Menschen anderer oder keiner Staatsangehörigkeit eine Tragödie für sich ist. Abgesehen davon, dass es überhaupt kaum möglich ist Einblick zu bekommen, wieviele Menschen von solchen Maßnahmen denn überhaupt betroffen sind. Und sogar abgesehen davon, dass ich die zwangsweise Verpflanzung von Menschen sowohl in die eine als auch in die andere Richtung grundsätzlich für menschenrechtswidrig halte. Dieser Fall hat eine zusätzliche Komponente, die nun wirklich in einem Maße unerträglich ist, dass es sich kaum in Worte fassen lässt.

Nach allen Lippenbekenntnissen und Pseudo-Versuchen der Gleichstellung der Geschlechter ist es letztlich eine unzumutbar patriarchale und sexistische Aussage, eine Frau, die den sexuellen Bedürfnissen einer antiquierten Männerwelt über Jahre unfreiwillig dienen musste, noch schnell abzuschieben, bevor sie vielleicht auch noch ein humanitäres Bleiberecht bekommt. Sie noch schnell abzuschieben, bevor sie ihre Aussage vor einem Gericht wiederholen kann. Noch schnell abzuschieben, bevor ihr Fall vielleicht gar noch eine Debatte um Zwangsprostitution auslöst. Bevor sich vielleicht noch eine Zweite zu Wort meldet. Oder eine Dritte gar.

Damit wird allen Zwangsprostituierten in Österreich gesagt, dass sei gefälligst den Mund halten sollen und weiter arbeiten. Damit wird der Rechtsstaat für alle diese betroffenen Personen per se abgeschafft und das österreichische Kellerdasein von Menschen ohne Pass und ohne Recht auf eine höhere Ebene gehoben.
Als obiter dictum: Es ist eine ebenso patriarchale wie repressive Aussage der staatlichen Gewalt, eine spontane Demonstration gegen diese Abschiebung nicht nur grundlos zu untersagen, sondern die Demonstrant*innen dann auch noch mit der zumindest doppelten Anzahl an Polizei zu jagen, einzukesseln und ihre Daten aufzunehmen.

Mein Recht zu demonstrieren werden sie mir aber damit nicht abgewöhnen. Im Gegenteil. Solange sich die innenpolitischen Verhältnisse weiter gegen Demokratie zu entwickelt und die zuständigen Politiker*innen und die Exekutive sich weiter dagegen sträubt Menschen ihre Rechte zuzuerkennen, wird kein Weg daran vorbeiführen, dass der eine oder die andere sich lauthals dagegen stellt.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Fekter endlich zurücktreten muss.

Photocredit: Daniel Weber | Flickr