Manipulation? … von wegen …

Am Donnerstag diskutierte eine schlaue Runde im Club 2 zum Thema „Was darf Journalismus“. Das Thema klingt viel versprechend. Doch der eigentliche Anlass dieser Sondersendung war, was „Heinrich“ Strache angeblich vielleicht gehört haben könnte. Dass der Herr Strache eine sehr selektive Wahrnehmung hat und dass beim ORF auch nicht alles beim Rechten ist, weiß der gelernte Österreicher… weitere Kommentare ergeben sich an dieser Stelle.

Eine wahre Sternstunde des österreichischen Journalismus ist die Sonntags -Ausgabe der Kronenzeitung. – Ein Hoch auf Berichterstattung im Sinne der Objektivität, natürlich gänzlich ohne erkaufte Redaktionsinhalte.

Auf Seite 17 ein nicht ganz seitenfüllendes Inserat der Wiener Polizei. „Sicherheit – Wiener Polizei sucht Nachwuchs“

Neben den gewöhnlichen Lobgesängen auf die Polizei, die die Krone tägliche durchziehen, findet sich ein interessanter „Leserbrief“ auf Seite 30. Eine Dame fordert, wie üblich mehr Rechte für die Exekutive: „Wenn ein Polizist einen Verbrecher stellt, muss er im Zweifelsfall die gesetzliche Deckung erhalten, diesen zu erschießen (…).“


Aber kommen wir zum eingangs erwähnten Skandal, der zurzeit ganz Österreich beschäftigt: „War die Schauplatz Reportage des ORFs manipuliert?“ & „Was hat Strache wirklich gehört?“

Überraschung! Eine Krone-Berichterstattung zu diesem Thema ist beinahe nicht vorhanden. Vergeblich sucht man nach gehässigen „Leserbriefen“, nach bösartigen, leicht beschwipsten Kolumnen oder „Wir haben die Fakten“-Artikel. Bis auf einen kleinen Beitrag auf Seite 3 ist nichts zu finden.

Wo bleibt die Skandalisierung des Skandals? Wo sind die fetten Lettern der Überschriften, wo die Exklusivbilder? Nichts zu finden…

Und doch auf Seite 9. Ein halbseitiges ORF-Inserat.

Doch es kommt noch besser: Auf Seite 21 eine ganze Seite FPÖ-Inserat. „Heinrich“ Strache erklärt unwidersprochen wie es wirklich war, damals in Wiener Neustadt, als ein Journalist einfache Jugendliche zu Neonazis machte, nur um der FPÖ zu schaden.

Und wird den Leuten dann von den (linkslinken) Journalisten vorgeworfen, sie seien Nazis, kommt – eh klar – der „Onkel Dichand“ und erteilt die Absolution.

Die Aposteln rund um Dichand, inklusive der Leserbrief-Schreiberlinge geben sich an diesem frühlingshaften Sonntag ungewohnt handzahm. Die „Earth-Hour“, der Tierschutz und die „doch nicht so schlimmen“ Katholiken beschäftigten dieses Wochenende die Krone-Redaktion. Allzu beschäftigt kann die Redaktion nicht gewesen sein – findet sich doch kaum Platz für „kritischen“ Journalismus zwischen all diesen überdimensionalen Inseraten.

Ein eigenartiger Zufall. – Alle drei Beteiligten (ORF, FPÖ, Polizei) des „Agent Provocateur“-Skandals pflastern die Kronenzeitung mit Inseraten zu und im Blatt findet sich keine Berichterstattung zu diesem Thema.