Beatrix Karl im Twitter-Interview

Gestern war Wissenschaftsministerin Beatrix Karl zu Gast in der ZiB2. Auf Anfrage von Armin Wolf nahm sich Karl anschließend an die Sendung Zeit, um Fragen via Twitter zu beantworten:

ArminWolf: Ministerin Beatrix Karl beantwortet unmittelbar nach der ZiB2 hier auf Twitter Fragen zu den Unis: 22h30.

moclanmomo: Gute wissenschaftliche KollegInnen verlassen wegen fehlender Uni-Stellen Österreich. Ist das zukunftsträchtig? Wie können sie sowas zulassen?

Karl: Mobilität ist grundsätzlich gut. Leute müssen aber auch wieder zurück kommen. Brauchen Personalentwicklung an Unis und Exzellenz.

moclanmomo: Wie soll “Exzellenz” möglich sein, wenn Nachwuchs fehlt? Wie Personalentwicklung ohne ausreichende Mittel?

Karl: Ich möchte Forschungs-Exzellenzcluster einrichten, in denen auch Nachwuchsförderung stattfindet.

AndreasB73: Kein Platz auf den Unis? – Wie wärs mit dem Bau von weiteren Universitäten?

Karl: Es wird viel gebaut. Ändert nichts am Problem, dass an Massenunis Drop-out-Raten zu hoch sind.

sauer_lauwarm: Welche neuen Perspektiven für NachwuchswissenschaftlerInnen soll es geben? Kollektivvertrag gut, aber nicht finanziert

Karl: Der Kollektivvertrag ist finanziert. Will österreichisches “Faculty-Modell” entwickeln, um auch Hierarchien zu verflachen.

salzkartoffel: Ich sehe verschulte Fachhochschulen sprießen, Billiganbieter für Masters und Bachelors sind am Markt und hohe Uniqualität stirbt nebenbei finanziell ab.

Karl: Nein, Fachhochschulen werden anders finanziert. – Sie haben Studienplatzfinanzierung. Dort wollen wir auch an den Unis hin.

ruecktritt_karl: Wie wollen Sie bessere Bildung und weniger Budget unter einen Hut bringen?? Kaputtsparen?

Karl: Ich bin für breite Höherqualifizierung und für Exzellenz an der Spitze, z.B. im Forschungsbereich.

ruecktritt_karl: Frau Karl, ist auf irgendeine Weise die Einführung von Studiengebühren nach altem Muster (oder schlimmer) geplant?

Karl: Ich bin für Studienbeiträg. Mangels politischer Mehrheit momentan aber kein Thema.

necrodex: Mit Journalismusbachelor der FH Wien ist kaum ein Masterstudium (etwa Politik) an der Uni Wien möglich – wo ist da der Sinn?

Karl: Bin für Durchlässigkeit zwischen Fachhochschulen und Universitäten. Leider gibt es da noch immer in Einzelfällen Probleme. Wollen das im Herbst lösen.

FischerKurt: Werden die Unis zu Gunsten verkrusteter Strukturen kaputt gespart? – Stichwort Staatsreform.

Karl: An den Unis hat sich in letzten Jahren vieles entwickelt, aber viele Entwicklungsschritte sind noch notwendig.

FischerKurt: Wann kommt die medizinische Ausbildung nach deutschem Vorbild?

Karl: Wenn es nach mir ginge, möglichst rasch. Fällt jedoch in die Kompetenz des Gesundheitsministers.

Weltbeob8terin: Wird sich in den kommenden Jahren etwas bei Selbsterhalterstipendien und Zweitstudium ändern? Beschränkungen etc.?

Karl: Im Moment sind keine Änderungen geplant.

unibrennt: Zugangsbeschränkungen und eine Erhöhungen der AkademikerInnenquote. Wie ist das vereinbar?

Karl: Mehr Studierende bedeutet nicht automatisch mehr AkademikerInnen. Ziel ist es, Drop out zu reduzieren. Z.B. an der WU 80%.

unibrennt: Wir haben aber auch zu wenige StudienanfängerInnen (gemessen am OECD-Schnitt)….  In anderen EU-Staaten wird mehr in Bildung investiert, in Österreich nicht. Warum zeigt sich die Ministerin so kampflos beim Budget?

Karl: Wir haben aber auch viele Berufe, die in anderen Ländern akademische Ausbildungen erfordern und in Ö. nicht, z.B. Kindergärtnerin

unibrennt: Naja die KindergärtnerInnen werdens wohl kaum ausmachen….

patz4011: Ich studiere BWL in Graz. Zu Beginn des Studiums wird nur am Computer geprüft mit Multiple-choice Fragen. Was sagen Sie dazu? Wären nicht Aufnahmeprüfungen für BWL besser?? Bei Multiple-choice Fragen wird Wissen nicht effizient abgefragt!!!

Karl: Wenn man 1.100 Studierende zu prüfen hat – Was soll man tun?

hiho_tom: Wann legen Sie sich Facebook und Twitter zu, um mit den Jugendlichen auf Augenhöhe zu sprechen?

Karl: Heute ist ein Anfang. Ich kann aber auch ohne Computer auf Augenhöhe sprechen.

p_scharmueller: Viele Studenten fordern die Kollegialorgane wieder in Unibelangen entscheiden zu lassen. Was sagen Sie dazu?

Karl: Die gesetzlichen Uni-Organe sind Senat, Uni-Rat und Rektorat. Satzung kann zusätzliches vorsehen, ich will Faculty-Modell.

hochitom: Wer wird Weltmeister?

Karl: Spanien

hochitom: Ab wann kann man Frau Karl auf Twitter folgen? ;)

Karl: Ich denke darüber nach…

mfe_: Würde man mehr Vorlesungen und andere organisatorische Aufgaben ins Internet verlagern könnte man die Uni-Kapazitäten erhöhen?

Karl: Es gibt bereits sehr viele E-Learning und Blended Learning-Angebote an den Unis. Ist ausbaufähig.

eliaskarabelas: Wie beurteilten Sie den Einfluss von studentischen Verbingung, CV,KV oder auch Korps auf die Uni und deren Entwicklung

Karl: Diesen Einfluss halte ich nicht groß.

hofrat: Sehr geehrte Frau Bundesministerin, warum nicht die Matura (wieder) zu einer echten Uni-Reife-Prüfung aufwerten statt neuen Studi-Eingangsprüfungen?

Karl: Eine Aufwertung der Matura alleine kann das Problem Hochschul-Zugang nicht lösen.

dieGRAS: Mehr als 2/3 der Studierenden müssen nebenbei arbeiten, das drückt die Noten, warum sind sie laut Karl “weniger motiviert”?

Karl: Ich habe nie gesagt, dass Studenten, die nebenbei arbeiten, weniger motiviert sind.

kinomuseum: Frau Minister, warum liegt gerade in Klagenfurt das Psychologie-Studium so im argen?

Karl: Weil es heillos überlaufen ist. Psychologie ist ein Modestudium + viele deutsche Studierende.

WernerReisinger: Wissenschaft-Wirtschafts-Koopertion durchgedacht, finden sie nicht, dass das die Unabhängigkeit der Lehre und Forschung beendet?

Karl: Nein, es gibt sehr gute Beispiele, etwa Frank Stronach-Institut an der TU Graz oder Stiftungsprofessuren.

sigi_maurer: Faymann hat das Ziel bis 2020 40% AkademikerInnen in Ö zu haben unterschrieben. Wie will sie das mit Beschränkungen erreichen? Laut OECD hat Österreich 15 % weniger StudienanfängerInnen als der Schnitt – brauchen wir mehr oder weniger Studis?

Karl: Ich will die Akademikerquote erhöhen durch Senkung der Drop out-Rate. Mehr Studierende bedeutet nicht mehr AbsolventInnen. Studienwahlentscheidung muss verbessert werden. Greife ÖH-Vorsschlag “Studieren probieren” auf.

ArminWolf: Danke für die vielen Fragen. Frau Ministerin Karl muss jetzt gehen. Hoffe aber doch, dass das kleine Twitter-Experiment informativ war.

… um die Lesbarkeit zu verbessern, wurden die Abkürzungen in den Tweets ausformuliert. Auch die Hashtags wurden bereinigt.

Photocredit: michaelthurm & Matt Hamm


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