Universitäten im Zentrum öffentlichen Interesses

Thema der heutigen Podiumsdiskussion im depot waren die Zukunftsperspektiven nach den Studierendenprotesten und dem Hochschuldialog. Es diskutierten, Gerald Bast, Rektor der Universität für angewandte Kunst; Beatrix Karl, Bundesministerin für Wissenschaft und Forschung; Daniel Knopper, Studierendenprotestbewegung; Heinz Mayer, Dekan der rechtswissenschaftlichen Fakultät an der Universität Wien und Sophie Wollner, Bundesvorsitzende VSSTÖ.

Wissenschaftsministerin Beatrix Karl kündigt an, ab Herbst an einem so genannten Hochschulplan zu arbeiten. Aufgebaut werden soll auf den „erfolgreichen Hochschuldialog“. Diskutiert werden im Rahmen des Hochschulplans die einzelnen Schwerpunktsetzungen der verschiedenen Einrichtungen des tertiären Sektors. Laut Karl sollen die einzelnen Hochschuleinrichtungen, die FHs, die öffentlichen Universitäten und die Privatuniversitäten unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen unterliegen. – Nicht alle sollen alles abdecken müssen. – Es gehe um eine differenziertere Hochschullandschaft in Österreich. Leider war die Argumentationslogik weniger differenziert.

Generell zielte die Argumentationslinie darauf ab, den volkswirtschaftlichen Nutzen des tertiären Sektors zu betonen und knüpfte so die Forderung nach mehr finanziellen Mitteln an. Egal ob pro oder contra Zugangsbeschränkungen argumentiert wurde, die Verwertungslogik stand im Mittelpunkt. Für die einen ist es wichtig zu betonen, dass mit Zugangsbeschränkungen effektiver geplant, gezielter finanziert und die Benchmark des Outputs optimiert werden kann. Für die anderen sind Zugangsbeschränkungen unnötig, weil das gesamte Bildungssystem dahingehend reformiert gehört, dass StudienanfängerInnen sich der Logik des Marktes unterwerfen können und so gezielter die Wahl des Studiums treffen würden, mit der Absicht den Arbeitsmarkt zu bedienen.
Was in der Diskussion völlig unterging, ist der gesamtgesellschaftliche Nutzen der Wissensproduktion, der freien Forschung und des kritischen Denkens. Und dabei handelt es sich nicht um volkswirtschaftlichen Nutzen, zukünftige Steuereinnahmen oder generell finanziellen Mitteln. Keine Markt- oder Verwertungslogik, keine Studien, keine Evaluierungen und keine Vergleiche mit anderen ach so viel besseren Ländern können den Wert freier Wissensproduktion festmachen. Und dennoch ist dieser gesamtgesellschaftliche Nutzen von unschätzbarem Wert.

Ministerin Karl wird nicht müde zu betonen, dass die Finanzierung des tertiären Sektors durch die Privatwirtschaft forciert werden müsse. Ob sie dort nicht eine Gefahr sehe, dass Unternehmen durch Finanzierung, die freie Forschung beeinflussen könnten, fragte das Publikum. Nein. Laut Karl sind solche Bedenken natürlich völlig unbegründet. Für sie wäre es auch nicht weiters schlimm, wenn über dem Eingangstor der Universität ein Firmenlogo prangern würde. Erst unlängst wurde bei der Besichtigung des neuen Campus von einer privaten Stiftung 10 Mio. Euro gespendet – ganz ohne Gegenleistung. Ganz ohne Gegenleistung? Ist es naiv zu glauben, jemand zahlt so eine Menge Geld und erwartet sich absolut keine Gegenleistung? Handelt es sich hier um den gutesten der Gutmenschen? Oder ist es naiv zu glauben, auf jede finanzielle Zuwendung folgt eine Gegenleistung?

Photocredit | Christoph Liebentritt